Die Aktienmühle – über 100 Jahre Mehl für die Region

   
Besuchende der Aktienmühle werden von Ährenbündeln empfangen. Geätzte Scheiben im Pförtnerhaus
Auf der fast grünen Wiese erbaut – die Aktienmühle auf einem Plan von 1905
'Automatische Getreidemühle in Basel – Tagesleistung: 600 Doppelzentner' Ausschnitt aus einer Darstellung mit stark überhöhter Arealgrösse, ca. 1900
Die Aktienmühle unter Dampf – Einsicht ins Turbinenhaus, ca. 1910
Die Aktienmühle und der Wiesenplatz mit dem Tramdepot auf einer Flugaufnahme von 1935
Der Aktienmühle Lastwagen aus den 1930-er Jahren als Werbeträger: 'Aber gäll, kauf mi bim Begg!'
Ein noch arg verschmutzter Rhein, das Industriequartier Klybeck und die Aktienmühle (Standort im roten Kreis) auf einer Flugaufnahme von 1965
Der Kampf gegen Mehlkäfer und Co. – Plakat aus den 1960-er Jahren
Die Spinde sind leer – seit 2004 wird das Mehl für Basel andernorts gemahlen
Nach über 70 Jahren zum interaktiven Spiel umgebaut – Ein Walzenstuhl aus der Aktienmühle im Mühlemuseum Brüglingen bei Basel
Ein Blick auf die Müllerei – nur 40 Jahre vor dem Bau der Aktienmühle. Das 1955 abgebrochene Klybeckschlösschen und die Klybeckmühle auf einem Gemälde von 1859
Mit Volldampf in die Moderne
Am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Europa die ersten wasserkraftunabhängigen Grossmühlen, die nicht mehr nur lokal angebautes Getreide vermahlten, sondern dieses auf dem Seeweg und per Bahn importierten. 1894 schloss sich der Mühlenbetreiber Wilhelm Abt-Bader diesem Trend an und gründete die stolz nach ihrer Rechtsform benannte Aktienmühle Basel AG. Mit dem Neubau der Aktienmühle an der Gärtnerstrasse 46 wurden die Architekten Fichter-Liebi und Sandreuter betraut. 1899 nahm die Aktienmühle als eine der ersten grossen Produktionsanlagen in diesem Stadtteil Basels den Betrieb auf. Die eigene Dampfturbine machte sie unabhängig von der Wasserkraft und mit dem eigens von der Grossherzoglichen Badischen Bahn gelegten Anschlussgleis war sie optimal an die Verkehrswege angeschlossen.

Grösser, schneller, mehr
Die Aktienmühle konnte von Beginn weg mit 40 Mitarbeitern 60 Tonnen Getreide pro Tag vermahlen und war damit eine der grössten und modernsten Mühlen der Schweiz. Nach einem Brand im hinteren Gebäudeteil entstand 1900 die bis heute erhaltene Form der Aktienmühle. Der erste Umbau fand 1916 statt, als die Dampfmaschine durch einen Elektroantrieb ersetzt wurde. In den 1930er Jahren wurden nach einem weiteren Brand die Stahlbetonsilos im Kopfbau erreichtet und das Vermahlungssystem der Aktienmühle zum ersten Mal modernisiert, 1954 zum zweiten Mal. 1994 wurde die dritte Modernisierung in Angriff genommen und die Leistung auf 80 Tonnen pro Tag erweitert. Noch 2001 wurde der damals grösste Walzenstuhl der Schweiz in der Aktienmühle montiert und die Leistung der Vermahlungsanlage erreichte neu 90 Tonnen pro Tag. Die Zahl der dafür benötigten Vollzeitstellen sank zum Schluss auf acht Personen.

Die Mühlen stehen still
Trotz dieser Leistungssteigerung führten anstehende Investitionen in Millionenhöhe, der fortschreitende Preiszerfall auf dem Mehlmarkt und der Verlust eines wichtigen Auftraggebers dazu, dass der Verwaltungsrat der Aktienmühle Basel AG 2002 beschloss, die Aktienmühle stillzulegen. Nach 108 Jahren wurde am 16. November 2003 das letzte Mal Getreide in der Aktienmühle zu Mehl verarbeitet und ein bedeutendes Kapitel Basler Industriegeschichte definitiv geschlossen. Die teils historischen, teils erneuerten Produktionsanlagen wurden vollständig verkauft oder an neue Produktionsorte verlagert.

Neues Leben in der alten Mühle
Die 1899 erbaute Aktienmühle hat über 100 Jahre lang die Region mit Mehl versorgt. Im Frühling 2010 hat die Stiftung Habitat die stillgelegte Mühle erworben und mit der Zwischen- und Umnutzung des Areals ein neues Kapitel in der Geschichte der Aktienmühle aufgeschlagen.


 
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